Erläuterungen

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2012

Sprechstunde (in der Vorlesungszeit):  Dienstag, 14–15 Uhr


Vorlesung: Literaturkritik im Mittelalter  (PHF-ll-IN)

Di 8–10 Uhr; LS 8, R. 534; Beginn: 10.4.12

Die Vorlesung geht – thematisch – ein gewisses Risiko ein, denn ihr Gegenstand, Literaturkritik, existiert (als eigener Sachbereich) nach üblicher Auffassung im Mittelalter nicht. Wie jede übliche Auffassung ist auch diese natürlich nicht komplett falsch, bedarf jedoch einer Überprüfung, die zu einer Modifikation des Urteils führen könnte. Dabei dürfte es sinnvoll sein, gerade vom modernen (und also nicht zutreffenden) Begriff der Literaturkritik auszugehen, um über Differenzkriterien zu einer Bestimmung mittelalterlicher Formen und Funktionen literarischer Kritik zu gelangen.

 

Seminar: Poetria nova  (PHF-ll-TG)

Mo 12–14 Uhr; LS 8, R. 534; Beginn: 16.4.12

Poetologische Ansätze des lateinischen Mittelalters konzentrieren sich um 1200 in der sog. Neuen Poetik. Diese ‚Poetria nova‘, Titel der weitverbreiteten Lehrschrift (in Hexametern) des Galfredus de Vinosalvo und zugleich Name der ganzen Richtung, signalisiert einen Antike-Bezug, weist nämlich zurück auf die als ‚Vetus poetria‘ verstandene ‚Ars poetica‘ des Horaz, und erhebt damit zugleich für sich den Anspruch auf etwas eigenes Neues, so daß sich im Ergebnis von einer Weiterentwicklung sprechen ließe.

Übung: Poesie im Loire-Kreis  (PHF-ll-IN)

Mi 8–10 Uhr; LS 8, R. 534; Beginn: 11.4.12

Bei literaturgeschichtlicher Betrachtung kristallisiert sich gesteigertes poetisches Interesse nicht selten in locker gefügten Literatenzirkeln. Man denke nur an den Hofkreis Karls des Großen. Um 1100 treten in Nordfrankreich formvollendete lateinische Dichter hervor, die sich als Klassizisten ausweisen. Sie verfassen ihre carmina ausschließlich in metrischen (nicht rhythmischen) Versen und sehen sich in der Nachfolge von Ovid und Horaz. Zu den Hauptvertretern dieses sog. Loire-Kreises zählen Marbod von Rennes, Hildebert von Lavardin und Baudri von Bourgueil.

Lektüre: Mittel- und neulateinische Briefe

Mo 8–10 Uhr; LS 8, R. 534; Beginn: 16.4.12

Briefe haben im Regelfall zunächst eine pragmatische Funktion. Zu Literatur wird dies ‚Postgut‘ erst in einem zweiten Schritt: durch Sammlung und Veröffentlichung. Es werden ausgewählte Zeugnisse der lateinischen Epistolographie aus Mittelalter und früher Neuzeit gelesen.

Übung: Die Augsburger Cantionessammlung II

Di 11–12 Uhr; LS 10, R. 434; Beginn: 10.4.12

Innerhalb der lateinischen Lyriküberlieferung des Mittelalters steht die um 1400 aufgezeichnete sog. Augsburger Cantionessammlung gänzlich für sich. Sie überliefert lateinische cantiones, die formal an einen Typus der mittelhochdeutschen Lyrik, den Sangspruch, angelehnt sind. Da das Textcorpus noch unediert ist, liegen der Übung ausgewählte Reproduktionen aus der Handschrift zugrunde. Es handelt sich um die Fortsetzung der Übung des vergangenen Wintersemesters.