Projekte: Prof. Dr. Thorsten Burkard

 

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Projekte

 

 

  1. Das lyrische Ich in der lateinischen Dichtung
  2. Kommentierte Edition von Daniel Georg Morhofs Primitiae Parnassi Kiloniensis
  3. Studienausgabe lateinischer Gedichte von Paul Fleming (1609-1640)
  4. Einführung zu Quintilian

 

 

1. Das lyrische Ich in der lateinischen Dichtung 

In Analysen antiker lateinischer Dichtung werden häufig die Kategorien des lyrischen Ichs, der Fiktionalität und des Biographismus mit einer gewissen Selbstverständlichkeit verwendet, wobei diese Begriffe in den meisten Fällen allenfalls ansatzweise angemessen reflektiert werden. Dabei wird in der Regel der Eindruck erweckt, als sei der Realitätsbezug von Gedichten in der ersten Person die Ausnahme, die Fiktionalität von Ich-Aussagen hingegen die Regel. Allerdings steht die häufig anzutreffende Behauptung, Ich-Aussagen in lateinischer Poesie dürften wegen ihres fiktionalen Charakters keinesfalls auf die Person des Autors bezogen werden, in einem eklatanten Widerspruch zu den zeitgenössischen Zeugnissen über die Rezeption von Ich-Dichtung durch die primären Adressaten.

In einer Monographie soll zunächst nachgewiesen werden, dass in der theoretischen Diskussion der Antike die Fiktionalität von Ich-Dichtungen nie den Kern der Gedichte betraf, das Ich eines Gedichts also immer ohne jeden Zweifel mit dem Autor gleichgesetzt wurde. Davon ausgehend ist zu fragen, inwieweit wir überhaupt berechtigt sind, von Fiktionalität in den entsprechenden Dichtungen zu sprechen, und inwiefern das Konzept des lyrischen Ichs die antiken Gedichte angemessen beschreiben kann. Im ersten Teil der Monographie werden die wichtigsten Begriffe und das kulturelle Umfeld vorgestellt. Der zweite Teil setzt sich mit Meta-Aussagen antiker Dichter auseinander, von denen sich zeigen lässt, dass hier keineswegs (wie die communis opinio behauptet) die Trennung von lyrischem Ich und Autor-Ich oder die Fiktionalität der eigenen Gedichte thematisiert wird. Bei den zu behandelnden Textstellen handelt es sich insbesondere um zwei berühmte Stellen bei Catull und Ovid, die regelmäßig als Absage an jeglichen Biographismus gedeutet werden. Im dritten Teil soll nachgewiesen werden, welche Teile lateinischer Gedichte trotz ihres grundsätzlichen Realitätsbezugs im Kontext des antiken Diskurses als fiktional bezeichnet werden müssen. Dabei wird sich zeigen, dass diese Fiktionalisierung niemals die Kernaussagen eines Gedichts betrifft.

Die grundlegende Neuinterpretation der einschlägigen Stellen bei Catull und Ovid, die das Zentrum des zweiten Teils darstellt, ist bereits abgeschlossen. Das Buch soll im Jahr 2017 fertiggestellt werden.

 

2. Daniel Georg Morhof: Primitiae Parnassi Kiloniensis, Schleswig 1666 – Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar

Daniel Georg Morhof (1639-1691) gehörte zu den Gründungsprofessoren der CAU. Von der Forschung bisher ignoriert sind Morhofs lateinische Gedichte, die in der postumen Sammelausgabe (Opera poetica, Lübeck 1697) immerhin 1000 Seiten umfassen. In dem hier vorgestellten Projekt soll die Gedichtsammlung namens Primitiae Parnassi Kiloniensis ediert werden. Dabei handelt es sich um ein im Jahre 1666 erstmals gedrucktes Corpus von Gedichten, die Morhof zur Universitätsgründung im Jahr 1665 verfasst hat und die zu diesem Anlass (zum Teil zur Musik von Augustin Pfleger) vorgetragen wurden. Diese Kollektion umfasst etwa 25 Gedichte (1) auf bedeutende Persönlichkeiten, die in Zusammenhang stehen mit der Gründung unserer Universität (Kaiser Ferdinand III., Kaiser Leopold I., Herzog Friedrich III., Herzog Christian Albrecht und Kielmannsegg), (2) auf die Siegel der CAU und der Fakultäten, (3) auf einzelne Professoren und Gelehrte sowie (4) auf die vier Gründungsfakultäten. Die Sammlung kommt in einer Worddatei auf knapp 30 Seiten (ohne Seitenumbrüche nach den Einzelgedichten). Die Gedichte der Primitiae sind wichtige Quellen sowohl für die Universitätsgeschichte des 17. Jahrhunderts als auch für die dichterische Verherrlichung und Verklärung von barocken Herrschergestalten. Die Primitiae sollen textkritisch ediert und übersetzt sowie mit einem Kommentar und einer Einleitung versehen werden. Die Fertigstellung des Manuskripts ist für Ende 2017 geplant. Der Text liegt bereits textkritisch bearbeitet in digitalisierter Form vor. Die Übersetzung ist abgeschlossen, ein Großteil des Stellenkommentars ebenfalls. Das Projekt wird vom Dekanat der Philosophischen Fakultät durch die Finanzierung einer Hilfskraftstelle unterstützt.

 

3. Studienausgabe lateinischer Gedichte von Paul Fleming (1609-1640) – in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Joachim Hamm (Germanistische Mediävistik, Würzburg) und Prof. Dr. Jörg Wesche (Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Duisburg-Essen)

Paul Flemings lateinische Gedichte werden von der Forschung meistens ignoriert, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass moderne kommentierte Übersetzungen fehlen. Daher soll in dieser Kooperation zwischen Neuerer deutscher Literaturwissenschaft, Mediävistik und Latinistik eine Auswahlausgabe erarbeitet werden, die neben dem lateinischen Text eine deutsche Übersetzung mit den wichtigsten Erläuterungen bietet. Die Übersetzung der ausgewählten 100 Gedichte ist bereits abgeschlossen.  Die kommentierte Edition wird bei Könighausen und  Neumann erscheinen.

 

4. Einführung zu Quintilian

In der Reihe Studienbücher Antike des Georg Olms-Verlages soll eine etwa 200-seitige Einführung zu Quintilian erscheinen. M. Fabius Quintilianus (1. Jh. n. Chr.) ist der Autor eines rhetorischen Lehrwerks in 12 Büchern. Eine derartige Einführung für Studenten und Fachkollegen ist seit langem ein Desiderat, zumal Quintilian das ganze System der antiken Rhetorik darstellt. Erste Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen (u.a. in Form eines ausführlichen Vorlesungsmanuskriptes und einer umfassenden Bibliographie vom 19. Jh. bis in die Gegenwart). Als Vorarbeit ist kürzlich eine umfangreiche Abhandlung zu den Begriffen color und divisio erschienen (in: Rémy Poignault / Catherine Schneider (Hgg.): Présence de la déclamation antique. Suasoires et controverses grecques et latines). Derzeit ist ein Aufsatz zur Deutung des 7. Buches der Institutio in Arbeit.

 

Betreute Doktorarbeiten

 

  • Alexander Cyron: Die Poetologie der spätantiken Vergilkommentare (Verfahren abgeschlossen im Juli 2009).
  • Peter Riedlberger: Philologischer, historischer und liturgischer Kommentar zum 8. Buch der Johannis des Goripp nebst kritischer Edition und Übersetzung (Verfahren abgeschlossen im November 2009), Groningen: Forsten 2010.
  • Stefan Feddern M.A.: Die Suasorien des älteren Seneca. Einleitung, Text und Kommentar (Verfahren abgeschlossen im Juli 2010), Berlin: De Gruyter 2013.
  • Kathrin Ludwig: Fokalisierung in Lucans Bellum civile (Verfahren abgeschlossen im Januar 2012), Berlin/Boston 2014.
  • Eltje Böttcher: Intertextualität in Ovids Metamorphosen
  • Eike Martin Fleischer M.A.: Konrad Celtis' Ars versificandi et carminum. Edition und Kommentar
  • Daniel Christopher Krupa:  Kommentar zu Ciceros 11. und 12. Philippica
  • Fabian Fedder: Kommentar zu Quintilians 7. Buch