Gräzistik - Fach-Guide

Griechische Philologie - was ist das?

Sicher kennst du Homers packende Darstellung der letzten Tage von Troia und der Taten des Odysseus. Oder Herodot und seine Geschichtsschreibung der antiken Welt. Oder die Philosophie von Platon. Oder die Liebesgedichte von Sappho aus Lesbos. Genau darum geht es, wenn du dich für ein Studium der Griechischen Philologie entscheidest. Natürlich sind nicht nur diese prominenten griechischen Autoren der Antike Thema – du wirst noch viele andere kennen lernen.
Die Tatsache, dass wir diese jahrtausendealten Werke noch heute kennen und uns mit ihnen befassen, sagt viel aus über ihre Bedeutung und die der gesamten griechischen Antike – auch für die heutige Zeit. Die Griechen beeinflussten die Römer maßgeblich in ihrem Denken. Und die wiederum das moderne Europa. Somit kannst du mit Fug und Recht behaupten, dass du ein Grundlagenfach der europäischen Kulturgeschichte studierst.
Schließlich erforschst du die vielfältig und reich überlieferten schriftlichen Hinterlassenschaften einer der ältesten, faszinierendsten und für die Geistesgeschichte bedeutendsten Kulturen: Sie hat die meisten Formen der abendländischen Literatur wie Epos, Tragödie, Komödie und Lyrik hervorgebracht und bis heute grundlegend geprägt. Und sie hat auch die meisten Wissenschaften erfunden: Denk nur an Philosophie, Geschichtsschreibung, Medizin, Biologie, Astronomie, Mathematik und Sprachwissenschaft.

Geht´s noch ein bisschen genauer?

Ja klar! Die Griechische Philologie deckt ein sehr weites Feld ab: über ein Jahrtausend Literatur, Philosophie, Geschichte und vieles mehr. Deswegen haben wir an der CAU Kiel Schwerpunkte gesetzt.
Die Griechische Philologie hat an der CAU Kiel eine lange Tradition – aber dennoch wird Wert auf eine moderne literatur- und kulturwissenschaftliche Ausrichtung gelegt. Dabei wird vor allem die griechische Dichtung und Prosa von der archaischen bis in die hellenistische Zeit in den Blick genommen, also aus dem Zeitraum von circa 750 bis 300 v. Chr. Im Mittelpunkt stehen Lyrik, Tragödie, Philosophie und Mathematik. Aber auch alle anderen Bereiche der griechischen Literatur kommen nicht zu kurz.
Du erlangst in drei Phasen die nötigen Grundkenntnisse, sprachliche Kompetenz und einen Überblick über die zentralen Autoren, Werke und Gattungen der griechischen Literatur. Außerdem wirst du an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt. Dabei nimmst du auch die altertumswissenschaftlichen Nachbardisziplinen (Latein, Alte Geschichte und Archäologie) und die gesamte antike Kultur in den Blick.
Du findest bei uns eine Vernetzung der einzelnen altertumswissenschaftlichen Fächer wie an nur wenigen deutschen Unis: An unserem Institut arbeiten Gräzisten, Latinisten, Althistoriker und Archäologen eng zusammen. Die gelebte Interdisziplinarität zeigt sich z.B. an der Einbindung in die Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ , die im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert wird. Hier gibt es auch spannende Projekte mit Geografen, Geologen oder Archäobotanikern.
Das Fach Griechische Philologie ist ein sog. „kleines Fach“. Daher erwartet dich eine engagierte Betreuung, die dich durch dein gesamtes Studium begleitet. Du kennst alle Professoren und Dozenten persönlich, und ihre Türen stehen für Studenten immer offen. So findest du bei tiefergehenden Fragen, aber auch bei Problemen immer ein offenes Ohr.
Weitere Informationen findest du im Studieninformationsblatt der Zentralen Studienberatung  oder auf der Homepage des Instituts für Klassische Altertumskunde  unter „Studium“ – „Griechische Philologie“.

Was solltest du mitbringen?

Auf jeden Falls musst du dich für Sprache und Literatur der griechischen Antike begeistern.
Du solltest auch ein allgemeines Interesse an fremden Sprachen und Kulturen und ihrer Geschichte mitbringen. Ganz wichtig ist außerdem Freude am Lesen, denn es erwartet dich ein umfangreiches Lektürepensum.
Wenn du schon Griechischkenntnisse in Form des Graecums hast, ist das von Vorteil. Du hast aber auch die Möglichkeit, sie während der ersten beiden Semester parallel zu deinen ersten Fachveranstaltungen zu erwerben. Oder du nimmst an einem Griechisch-Intensivkurs vor Beginn des Studiums teil. Er findet jeweils im September und Oktober statt. Zum Erwerb des Großen Latinums, das von dir ebenfalls verlangt wird, hast du sogar Zeit bis zum 5. Semester. Du kannst dich als Anfänger also auf jeden Fall auch ohne diese Nachweise einschreiben. Am besten fragst du einfach mal beim Studienfachberater oder bei deinem Griechischprofessor nach, was für deine persönliche Situation die beste Lösung ist.
Wenn du Griechisch auf Lehramt studierst, solltest du unbedingt Freude am Unterrichten von Kindern und Jugendlichen haben. Du solltest deshalb auch pädagogische Fähigkeiten mitbringen.

Und was machst du nach dem Studium?

Der Bachelor bildet einen ersten qualifizierten Abschluss und ermöglicht dir generell den Einstieg ins Berufsleben. Wie bei vielen geisteswissenschaftlichen Fächern bereitet dich der Studiengang Griechische Philologie jedoch nicht auf ein konkretes Berufsbild vor.

Du wirst nach deinem Abschluss über Kompetenzen verfügen, die es dir ermöglichen, überall dort beruflich tätig zu sein, wo humanistische Basiskompetenz gefordert ist. Deine allgemeinen methodischen und fachlichen Fähigkeiten qualifizieren dich also z.B. für eine Tätigkeit im Verlagswesen, den Medien und generell im Kulturbetrieb.
Du lernst in deinem Studium, dir selbstständig fachspezifisches Wissen und Können anzueignen. Du verstehst dich auch darauf, wissenschaftlich fundierte Urteile zu fällen und diese gekonnt zu präsentieren. Da du immer wieder mit Kommilitonen zusammenarbeitest, wird auch deine Teamfähigkeit gestärkt. Dies alles sind Kompetenzen, die in der Wirtschaft, im Politikbetrieb und auch im diplomatischen Dienst gefragt sind.
Wenn du dich für das Lehramtsprofil entschieden hast, steht dir natürlich der Eintritt in den Schuldienst offen. Du kannst Griechisch dann auch als drittes Fach studieren, was bisher nur an wenigen deutschen Unis möglich ist. Da du dann als Lehrer vielseitig einsetzbar ist, erhöht dies deine berufliche Attraktivität enorm. Insbesondere wenn du später in ein anderes Bundesland gehen möchtest.
Wir empfehlen dir sehr, schon während deiner Studienzeit Praktika zu absolvieren. Das verbessert deine Einstiegschancen deutlich. Außerdem lernst du verschiedene Branchen und Bereiche kennen und findest viel schneller heraus, auf welches berufliche Einsatzgebiet du dich spezialisieren möchtest. 
Ein Bachelorabschluss ist die Voraussetzung für einen weiterführenden Studiengang wie den Master. Dort kannst du dich weiter spezialisieren und deine wissenschaftliche Qualifikation ausbauen. Er kann deine Eintrittskarte in eine spätere Forschungstätigkeit sein. Die Promotion kannst du dann im Rahmen der modernen interdisziplinären Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ erwerben.
Über weitere Beschäftigungsmöglichkeiten informiert dich gern die Zentrale Studienberatung, der Studienfachberater oder dein Griechisch-Prof. Dort erhältst du auch Infos zu allen anderen Themen rund um die Griechische Philologie und dein Studium. Frag einfach mal nach! Du bist jederzeit herzlich willkommen!

Gängige Vorurteile

„Altgriechisch ist eine tote Sprache. Im Gegensatz zu Latein spielt sie aber auch keine Rolle für meine Zukunft. Und selbst Latein braucht man eigentlich nicht. Außerdem studieren dieses Fach eh nur Langweiler, die ihre Nase nicht aus ihren Büchern raus bekommen. Und dann finden sie noch nicht einmal etwas Neues heraus. Da paukt man den ganzen Tag nur Vokabeln und Formen. Das ist mir alles viel zu trocken.“


Sicher, du lernst nicht, dich auf Altgriechisch zu unterhalten. Doch du sollst ja auch im Englischstudium nicht mit Shakespeare reden. Aber wie Shakespeare leben auch die Griechen in ihren Schriften weiter. Und wenn wir sie lassen, können auch diese zu uns sprechen – vielleicht sogar besser, denn sie transportieren ihre Ideen knapp und konzentriert. 
Die Sprachkenntnisse, die du im Studium erwirbst, sind zwar für das Wirtschaftsleben nicht von Belang (siehst du einmal von den Neugriechisch-Kenntnissen ab). Doch wenn du so etwas suchst, reicht ein Kurs bei der Volkshochschule. Was wir dir aber bieten können, ist das umfassende Verständnis einer ganzen Kultur, die bis in die heutige Zeit ausstrahlt: Denk nur an all die griechischen Fremdwörter, die noch zahlreicher sind als die lateinischen – oder an Theater, Demokratie, Philosophie ...
Diese Kompetenz – sich in Menschen einer fremden Zivilisation einfühlen zu können – ist nicht zuletzt in einer globalisierten Welt wichtig. Deshalb sehen wir altgriechische Grammatik nur als Hilfsmittel und nicht als Selbstzweck: Wir wollen andere Menschen verstehen. Und dabei entdecken wir tagtäglich etwas Neues: Viele Bereiche der Antike sind noch unerforscht, und der moderne interdisziplinäre Ansatz schafft ganz neue Fragestellungen. Davon abgesehen: Noch immer fehlen Übersetzungen großer Teile der griechischen Literatur und zerfallen unzählige Papyri in den Museen, bevor sie irgend jemand gelesen hat.
Du lernst aber auch, die heutige Zeit besser zu verstehen: Im Hinblick auf die trotz ihrer Ähnlichkeit fremden Griechen betrachten wir uns selbst aus einer neuen Perspektive. Gerade dies ist nötig, um innovativ zu sein.
Und nur weil wir viel lesen, sind wir noch längst keine Langweiler. Schließlich musst du in jedem Studium lesen. Und abgesehen davon: Was ist spannender als ein tolles Buch? Auch wenn unsere Lektüre sehr alt ist, ist sie noch immer sehr lebendig – denk nur an all die großen Hollywood-Filme der letzten Jahre, die sich mit klassischen griechischen Stoffen befassen: Troja, Spartan, 300, Alexander ...