Latinistik - Interview

Latein hat mit Logik und mit Lust zu tun

Interview mit Professor Thorsten Burkard

 

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zu Latein gibt Professor Thorsten Burkard im Gespräch mit Martin Geist.


Welche Inhalte stehen genau hinter dem Fach Latein?

 

 Wir haben es hier mit einem Zwei-Fach-Bachelor zu tun, der gern mit Deutsch, Französisch oder Geschichte kombiniert wird, aber auch gar nicht so selten mit Mathematik und Chemie. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die Art und Weise, wie Latein vermittelt wird, ebenso wie die Naturwissenschaften viel mit Logik zu tun hat. Darüber hinaus darf die ästhetische Komponente aber nicht übersehen werden; schließlich beschäftigt sich ein Student der Lateinischen Philologie fast ausschließlich mit der lateinischen Hochsprache, also mit hochrangigen literarischen Texten.

 

Grundsätzlich gliedert sich das Studium bei uns in drei große Blöcke: Die Sprachausbildung, Literatur- und Sprachwissenschaft und schließlich die Kulturwissenschaft. Voraussetzung für ein Lateinstudium ist das mittlere Latinum, also 5 Jahre Lateinunterricht. Im zweiten Semester muss dann das große Latinum folgen, falls man es noch nicht hatte. Dafür werden natürlich auch die entsprechenden Kurse angeboten.

 

Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in Latein offen?

 

 Zu 95 Prozent streben unsere Studierenden, deren Zahl übrigens seit drei Jahren deutlich nach oben geht, ins gymnasiale Lehramt. Das ist auch die Laufbahn, die man guten Gewissens empfehlen kann. Lateinlehrer sind eigentlich immer gesucht und im Moment sogar besonders gefragt. Die wenigen, die sich beruflich anders orientieren, arbeiten in der Wissenschaft, in Lektoraten, Bibliotheken und Museen oder machen etwas ganz anderes.

 

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Latein aufsitzen?

 

 Dass es sich um ein arbeitsreiches Studium handelt, darüber informieren wir schon in der Studienberatung umfassend. Verbreitet ist aber der Irrglaube, Latein zu studieren bedeute so gut wie ausschließlich übersetzen. Tatsächlich nehmen Übersetzungen aber nur ungefähr die Hälfte des Stoffs ein. Kein Vorurteil ist andererseits, dass studierte Lateiner oft über eine auffallend gute Allgemeinbildung verfügen. Sie können sich sprachlich vieles herleiten und haben außerdem im Studium gelernt, sich mit vergangenen Epochen zu beschäftigen und auf diese Weise ihren Horizont zu erweitern.

 

Wie sind Sie selber zum "Lateiner" geworden?

 

 Das war ein sofortiges Sichverlieben. Und wie das mit dem Verlieben so ist, man kann nur schwer erklären, warum. Vom ersten Augenblick an war ich jedenfalls von dem Fach begeistert. Vielleicht war es anfangs eher eine Art Lust an intellektueller Spielerei, denn Latein - zumindest in der Form, in der es an Schule und Universität gelehrt wird - bietet in dieser Hinsicht mehr Möglichkeiten als die meisten anderen Sprachen.