Projekte: PD Dr. Stefan Feddern

I. Größere (Buch-)Projekte

Der frühneuzeitliche Fiktionalitätsdiskurs [Drittmittelprojekt; im Review-Verfahren]

In dem geplanten Forschungsprojekt soll der frühneuzeitliche Fiktionalitätsdiskurs systematisch untersucht werden. Im Zentrum der Untersuchung werden Poetiken und dichtungstheoretische Schriften, Rhetoriken, Kommentare zu antiken Autoren und Bildungsprogramme im Zeitraum zwischen ungefähr 1350 und 1600, zumindest bis Scaligers Poetik (1561) stehen, so dass Petrarca (1304-1374) und Boccaccio (1313-1375) den Anfang bilden werden. Da Boccaccio im 14. Buch der Genealogia die Dichtung verteidigt und diese Reflexionen später breit rezipiert wurden (u.a. von Nicolas de Gonesse [ca. 1365-1415] in der Collatio artis poeticae), ist es unabdingbar, Boccaccios fiktionstheoretische Reflexionen in das systematisch ausgewertete Corpus zu integrieren. Petrarca hat sich u.a. in der Collatio laureationis und in einem Brief (fam. 10,4) ausführlich zum allegorischen Charakter der Dichtung geäußert. Weitere wichtige Autoren von Poetiken und dichtungstheoretischen Schriften, deren Reflexionen über die literarische Fiktion analysiert werden, sind Salutati (1331-1406), Pontano (1429-1503), della Fonte (1446-1513), Vives (1492-1540), Vida (1485-1566) und Minturno (1500-1574). Die Rhetoriken inklusive der Progymnasmata-Handbücher sind insbesondere insofern relevant für eine Analyse des frühneuzeitlichen Fiktionalitätsdiskurses, als in den Abschnitten zur Erzählung (narratio) häufig die antike Skalierung der dargestellten Geschichte anhand des Kriteriums der Fiktion (fabula, historia, argumentum) rezipiert wird (z.B. in Kapitel 14 der Artis rhetoricae compendiosa coaptatio des Antonio de Nebrija [ca. 1441-1522] oder in Kapitel 3,7 von De ratione dicendi des Juan Luis Vives). Unter den Kommentaren sind insbesondere diejenigen zu Horaz‘ Ars Poetica und zu Aristoteles‘ Poetik und zu nennen, da sie wichtige fiktionstheoretische Elemente in den Diskurs einbringen, indem sie u.a. Aristoteles‘ Mimesis-Konzept und dessen Äußerungen zum Unterschied zwischen der Geschichtsschreibung und der Dichtung erklären. Schließlich finden sich auch in Bildungsprogrammen zahlreiche Reflexionen über die literarische Fiktion, und zwar zumeist in der Form, dass Überlegungen darüber angestellt werden, ob und inwiefern fiktionale Literatur für die Ausbildung junger Menschen geeignet ist. Zu den Bildungsprogrammen gehören u.a. Maffeo Vegios De educatione liberorum (1445–1448), Erasmus‘ De ratione studii (1511) und die Werke De ratione studii puerilis (1523) und De institutione feminae Christianae (1524) des Juan Luis Vives.

Einführung in die antike Erzähltheorie

Eine Einführung in die antike Erzähltheorie existiert noch nicht und stellt angesichts der Tatsache, dass die Erzähltheorie ein grundlegendes Instrument zur Erschließung von literarischen (Erzähl-)Texten ist, ein Desiderat für Forschung und Lehre dar. Anders als das Buch von Thomas A. Schmitz (Moderne Literaturtheorie und antike Texte, Darmstadt: WBG, 2. Aufl. 2006) soll nicht moderne Erzähltheorie auf antike Texte angewendet werden, sondern die antike Erzähltheorie systematisch untersucht und dabei Vorläufer der modernen Erzähltheorie aufgedeckt werden. Daher verhält sich die geplante Einführung in die antike Erzähltheorie auch komplementär zu Einführungen in die moderne Erzähltheorie (wie diejenige von Fludernik, Darmstadt: WBG, 3. Aufl. 2010; Martínez und Scheffel, München: Beck, 10. Aufl. 2016; Schmid, Berlin: De Gruyter, 3. Aufl. 2014), die häufig nur einen kurzen Blick auf die antiken Vorläufer der modernen Erzähltheorie werfen. Die Einführung in die antike Erzähltheorie wird i.W. aus drei Kapiteln bestehen: Im ersten Kapitel sollen die Grundlagen der antiken Erzähltheorie, im zweiten Kapitel die antike Erzähltheorie hinsichtlich der erzählten Geschichte (was wird dargestellt?) und im dritten Kapitel hinsichtlich der Darstellung (wie wird es präsentiert?) behandelt werden. [in Überarbeitung]

Fiktion, Komik, Ironie, Spiel oder Ernst? Zu Ovids Exildichtung

Nach der vorherrschenden Forschungsmeinung darf man viele Aussagen in Ovids Tristia und Epistulae ex Ponto nicht ernst nehmen, sondern muss in ihnen Fiktion, Komik, Ironie und Spiel des Erzählers erkennen. In dieser Untersuchung soll dezidiert die antike Perspektive eingenommen und danach gefragt werden, ob Ovid seine Exilelegien wirklich derart doppelbödig konzipiert und intendiert hat und seine Zeitgenossen sie so rezipiert haben. Erste Vorüberlegungen und Zwischenergebnisse legen die Einsicht nahe, dass auch die Ovid-Interpretationen in der Form historisch bedingt sind, dass die unterschiedlichen antiken und modernen Vorstellungen und Konzepte zu verschiedenen Einschätzungen führen. [in Vorbereitung]

 

II. Kleinere Projekte: Aufsätze, Beiträge zu Tagungsbänden/Handbüchern, Vorträge mit anschließender Publikation

Zum Autofiktionsbegriff aus klassisch-philologischer Perspektive anhand von Ovids poetischer Autobiographie (trist. 4,10) - oder Autofiktion?

Beitrag zum von Gregor Bitto, Bardo Maria Gauly und Gernot Michael Müller herausgegebenen Sammelband "Autofiktionen in der antiken Literatur" [für den Tagungsband eingereicht]

Zwischen Herrscherpanegyrik und Eigeninteresse. Zu den Briefen der indianischen Nobilität Mexikos an Karl V.

Vortrag beim 21. Symposium NeoLatina ("Carolus Quintus: Kaiser Karl V. in der neulateinischen Literatur"), Freiburg i.B., 27.-29.06.2019.

Ovid's Identity as Exiled Poet

Vortrag beim Kieler Workshop "Mediterranean Connections - How the Sea links People and transforms Identities" (12.-14.03.2019).

Die Diskussion über Wesen und Wert der (Plautinischen) Komödie in poetologischen Schriften der Frühen Neuzeit

Vortrag beim 20. Symposium NeoLatina ("Plautus in der Frühen Neuzeit"), Würzburg, 28.-30.06.2018; für den von Thomas Baier und Tobias Dänzer herausgegebenen Tagungsband eingereicht.