Gräzistik - Interview

Griechisch wird immer interdisziplinärer und ist sehr forschungsnah

Interview mit Professor Lutz Käppel

 

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Griechischen Philologie gibt Studienfachberater Professor Lutz Käppel im Gespräch mit Martin Geist.


Welche Inhalte stehen genau hinter der Griechischen Philologie?

 

Dieses Fach geht weit über eine reine Sprachwissenschaft hinaus und umfasst die Literatur ebenso wie die Philo­sophie und die antike griechische Kultur insgesamt. Dazu ist natürlich das Erlernen der altgriechischen Sprache ein wichtiger Bestandteil. Aktive Sprachkenntnisse sind dabei aber weniger wichtig als die Fähigkeit, Texte lesen und verstehen zu können. Ziemlich neu ist der Trend zu inter­disziplinären Fragestellungen durchaus auch schon im Bachelor-Studium. Speziell für Master-Studenten und Doktoranden gibt es immer wieder spannende Projekte gemeinsam mit Archäologen, Neuphilologen, Philosophen, ja sogar mit Geografen, Geologen oder Archäobotanikern. Insgesamt ist Griechisch nicht zuletzt deshalb ein extrem forschungsnahes Studium.

 

Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in Griechischer Philologie offen?

 

 Für etwa 50 Prozent ist es das gymnasiale Lehramt, und für die anderen ergeben sich viele Möglichkeiten, die im Einzelnen von der Wahl der jeweiligen Zusatzfächer abhängen. Gräzistik wird in Kiel im Zwei-Fach-Bachelor studiert, kann aber auch als eine der wenigen Disziplinen als Drittfach belegt werden. Arbeitsplätze gibt es in der Wissenschaft, bei Medien und Verlagen, in der öffentlichen Kultur und auch im diplomatischen Dienst oder im Politikbetrieb, wo "studierte Griechen" beispielsweise gern als Redenschreiber eingesetzt werden. Wertvoll ist Griechisch oft als ein Zusatz innerhalb einer Reihe von anderen Qualifikationen.

 

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Griechischer Philologie aufsitzen?

 

Eher selten, denn die meisten Neuen sind ganz gut informiert über das, was auf sie zukommt. Vorzufinden ist teilweise allenfalls noch die Annahme, in diesem Studium werde von früh bis spät altgriechische Grammatik gepaukt. Grammatik ist für uns tatsächlich nur ein Hilfsmittel und nicht das Ziel als solches. Überrascht sind manche außerdem darüber, dass bei uns auch Neugriechisch gelernt wird. Ein solches verpflichtendes Modul wurde mit der Umstellung auf den Bachelor-Studiengang eingeführt und ist aus meiner Sicht eine sehr sinnvolle Ergänzung.

 

Wie sind Sie selber zur Griechischen Philologie gekommen?

 

 Ich studierte erst ein Jahr Mathematik und Informatik, was mir aber auf Dauer zu formal und technisch war. Dann sattelte ich auf Griechisch und Latein um und fand darin außer der intellektuellen Herausforderung Anregungen durch die reichhaltigen kulturellen Aspekte in diesem Studium. Vielleicht hat mich aber auch ein Stück weit die vermeintliche Nutzlosigkeit dieses Studiums gereizt; das Wissen um des Wissens willen.